Durchstanzen

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Allgemeines zum Durchstanzen

Wird eine konzentrierte Last auf eine verhältnismäßig kleine Einleitungsfläche eines Plattentragwerks (z.B. Deckenplatte oder Fundament) aufgebracht, so kommt es zu einem örtlichen Querkraftversagen [1].
Dies äußert sich bei relativ geringen Lasten durch auftretende Biegerisse in radialer Richtung. Wird die Last erhöht, so kommt es als Folge dessen zum Reißen des Betons in tangentialer Richtung (Querkraftrisse).
Durch die Vereinigung zu Durchstanzrissen verursachen diese einen Bruch [2].
Trennt sich der betroffenen Plattenbereich heraus, so entsteht der typische kegel- oder pyramidenförmige Körper. Diese Art des Versagens geschieht ohne eine ausgeprägte Vorankündigung. Es kommt zu einem fortschreitenden Kollaps der vollständigen Konstruktion [3].
Folglich ist diese Art von Nachweis das maßgebende Kriterium bei der Bemessung einer Deckenplatte. Da das Durchstanzversagen ein Sonderfall der Querkraftbeanspruchung darstellt, besteht ein Zusammenhang zwischen beiden Bemessungsansätzen [4].

Obwohl die Durchstanztragfähigkeit und das Biegetragverhalten sich gegenseitig beeinflussen (siehe Bild 1), sind ihre Berechnung separat durchzuführen. [5].

Bild 1: Rissbilder bei reiner Querkraft- und reiner Biegebeanspruchung


Die Durchstanztragfähigkeit wird durch Bauteileigenschaften wie

  • der Betonfestigkeit,
  • den Querschnittabmessungen,
  • der Bewehrungsmenge in der Zugzone,
  • eine durch Vorspannung entstehende Normaldruckkraft und
  • die vorgesehene Durchstanzbewehrung maßgebend beeinflusst [6].


Bei der Nachweisführung müssen folgende Versagen verursachende Komponenten einbezogen werden [2]:

  • eine Überschreitung der Betonzugfestigkeit,
  • ein Versagen der Betondruckzone,
  • ein örtliches Verbundversagen der Biegezugbewehrung
  • und eine unzureichende Verankerung der Durchstanzbewehrung



Der zu führende Nachweis besagt, dass die auf den kritischen Rundschnitt du bezogene einwirkende Querkraft νEd geringer ausfällt, als der Bemessungswiderstand νRd.
Der Nachweis lautet wie folgt:

νEd=βVEduidνRd

Es findet hierbei eine Unterscheidung in Bauteilen mit und ohne Durchstanzbewehrung statt.


Bauteile ohne Durchstanzbewehrung

Bild 2: Versagensmechanismus bei einem Bauteil ohne Durchstanzbewehrung

Bei Plattentragwerken ohne Durchstanzbewehrung (siehe Bild 2) muss der folgende Nachweis klären, ob die Tragfähigkeit des Betons im kritischen Rundschnitt ausreichend ist und die auftretende Querkraft den Bauteilwiderstand somit nicht überschreitet [2].

Im Allgemeinen gilt:

νEdνRd


Somit muss bei Bauteilen ohne Durchstanzbewehrung die Querkrafttragfähigkeit des Betons im kritischen Rundschnitt größer sein, als die vorherrschende Einwirkung:

νEdνRd,c


Ist der Bemessungswiderstand νEd größer als der Bemessungswert der Querkraft νRd , so ist eine Durchstanzbewehrung vorzusehen, welche beispielsweise durch Bügel gebildet werden kann.
Ist diese Maßnahme nicht ausreichend, können tragfähigkeitserhöhende Einbauteile vorgesehen werden[4].


Bauteile mit Durchstanzbewehrung

Wird Durchstanzbewehrung benötigt, so muss auf mehreren Rundschnitten ui weitere Querkraftnachweise geführt werden[2].

Bild 3: Versagensmechanismus bei Bauteilen mit Durchstanzbewehrung


Des Weiteren kann zur Steigerung der Tragfähigkeit zusätzlich zur Durchstanzbewehrung eine Querkraftbewehrung in Form von aufgebogenen Stäben, Bügeln, S-Haken oder Dübelleisten in Betracht gezogen werden. Werden solche verwendet, ist eine zweite Reihe an Schubbewehrung anzuordnen, auch wenn diese rechnerisch nicht erforderlich ist[7]. Bei der Ausführung von Durchstanzbewehrung müssen mehrere Versagensmechanismen (siehe Bild 3) betrachtet werden [2]:

Betonversagen: die maximale Schubspannung νRd,Ed nach Gleichung (1) darf nicht größer ausfallen, als der Bemessungswert des maximalen Durchstanzwiderstands νRd,max.

νEdνRd,max



Stahlversagen: die Tragfähigkeit des Querschnitts mit Durchstanzbewehrung muss in jedem Rundschnitt gewährleistet sein.

νEdνRd,cs



Die Querkrafttragfähigkeit muss in der Umgebung außerhalb des durchstanzbewehrtem Bereichs ohne Querkraftbewehrung gegeben sein.

νEdνRd,c,out


Lasteinleitungsfläche und kritischer Rundschnitt


Bild 4: Kritischer Rundschnitt bei variablen Geometrien

Die Bemessung der Lasteinleitungsfläche Aload mit dem kritischen Rundschnitt u1 gilt für folgende Geometrien:

  • Rundstützen mit dem Umfang u012d
  • Rechteckstützen mit u012d und dem Verhältnis von Länge zu Breite2
  • andere Formen, die sinnvoll wie oben genannt begrenzt werden können



Dabei wird die benötigte statische Nutzhöhe d wie folgt ermittelt:

(dx+dy)2

Bild 5: Bezeichnungen am kritischen Rundschnitt
Bild 6: Draufsicht eines kritischen Rundschnitts


Die Lasteinleitungsfläche darf sich nicht in der Nähe von anderen konzentrierten Lasten sowie anderen wirkenden Querkräften befinden, was eine Überschneidung der kritischen Rundschnitte zur Folge hätte[1].
Ist dies dennoch der Fall, so ist im Durchstanznachweis der gesamte Rundschnittumfang mit der kleinsten Umhüllenden unter Berücksichtigung der Umfangsbegrenzung der Lasteinleitungsfläche von 12d in Ansatz zu bringen (Nationaler Anhang (NA)) [2].
Einwirkung und Widerstand werden auf den kritischen Rundschnitt bezogen, dieser wird bei Rund- und Rechteckstützen im Abstand 2d von der Lasteinleitungsfläche gebildet (siehe Bild 4) [5].
Die kritische Fläche Acont stellt die Fläche innerhalb des kritischen Rundschnitts u1 dar (siehe Bild 5 und 6) .
Bei der Ermittlung des kritischen Rundschnitts sind einspringende Ecken zu überlesen, da der kleinste aller Rundschnitte maßgebend ist [5].
Die Berücksichtigung eines Rundschnitts kleiner als 2d ist dann notwendig, wenn ein großer Gegendruck beispielsweise durch Sohldruck bei Fundamenten, einer Auflagerreaktion oder einer Last innerhalb des kritischen Rundschnitts (2d) vorherrscht. Trifft dieser Fall zu, so ist der Abstand acrit iterativ zu ermitteln (NA) [2]. Sind die oben genannten Bedingungen in Bezug auf die rechteckige Lasteinleitungsfläche nicht erfüllt, so darf nur ein reduzierter kritischer Rundschnitt in Ansatz gebracht werden [4].






Ausgedehnte Einleitungsflächen


Bild 7: Kritischer Rundschnitt bei ausgedehnten Einbeitungsflächen

Ist das Seitenverhältnis a/b>2 oder der Umfang der Lasteinleitungsfläche Aload>12d, so müssen gesonderte Nachweise geführt werden, welche nur auf Teilrundschnitte mit u012d zu beziehen sind (siehe Bild 7).
Der Querkraftwiderstand ist für alle weiteren, über den Umfang hinaus ragenden Bereiche zu ermitteln. Die Summe aus der Durchstanztragfähigkeit sowie der Querkrafttragfähigkeit bildet den Gesamtwiderstand [5].










Randnähe


Bild 8: Kritischer Rundschnitt in Randnähe

Liegt die Lasteinleitungsfläche nahe eines freien Randes, so ist der minimale kritische Rundschnitt möglicherweise nicht mehr geschlossen und endet in diesem Fall stets orthogonal zu diesem [5].
Im zutreffenden Fall ist der Rundschnitt wie in Bild 8 aufgezeigt anzunehmen. Dieser Rundschnitt wird jedoch nur maßgebend, wenn der Umfang kleiner ist als der des "Regelrundschnitts" bei geschlossener Schnittführung [8].
Beträgt der Abstand zum freien Rand < d, so ist in der Regel eine besondere Randbewehrung einzulegen [1].

Öffnungen


Bild 9: Kritischer bei Öffnungen

Liegt der Rand der Lasteinleitungsfläche im Abstand von weniger als 6d von einer Öffnung entfernt, so muss die der Öffnung zugewandte Seite des Rundschnitts als unwirksam betrachtet werden.
Diese ist somit bei der Berechnung abzuziehen [9].
Der Umfang lässt sich somit wie in Bild 9 dargestellt bilden.

Bemessungswert der Einwirkung


Die als Spannung angegebene Bemessungsquerkraft bezieht sich auf die Querschnittsfläche des kritischen Rundschnitts [5].
Die Gleichung dafür lautet:

νEd=βVEduid



Korrekturfaktor β

- nach EC 2-1-1, 6.4.3.(6)
Infolge von Biegung ist die aufgebrachte Querkraft nicht mehr gleichmäßig über den Umfang verteilt, die Belastung einer Seite ist folglich erhöht. Der Lasterhöhungsfaktor β berücksichtigt diesen Umstand[5].
Zur Ermittlung des Faktors β stehen drei Verfahren zur Verfügung. Diese werden folgend erläutert:

Konstanter Faktor für ausgesteifte Systeme mit nahezu gleichen Stützweiten


Es werden horizontal unverschiebliche, ausgesteifte Systeme mit Stützweitenunterschieden von maximal 25 % und eine Belastung durch Gleichlast angenommen[7]. Die Stützweitenverhältnisse betragen somit 0,8l1/l21,25[8].

Bild 10: Korrekturfaktor Beta

Für diesen Fall können somit folgende konstante Näherungswerte angenommen werden(siehe Bild 10):

  • 1,10 Innenstützen
  • 1,40 Randstützen
  • 1,35 Wandenden (NA)
  • 1,50 Eckstützen
  • 1,20 Wandecken (NA)
  • Bei Fundamenten wird ein β1,10 angenommen.

Ermittlung über Sektormodell

Im ersten Schritt sind die Querkraftnulllinien anzusätzen. Diese werden abgeschätzt oder errechnet (linear-elastisch). Anschließend findet eine Unterteilung der Lasteinzugsfläche ALE in i-Lasteinleitungssektoren Ai (siehe Bild 11) statt.

Bild 11: Sektormodell

Hierbei sollten mindestens 3-4 Sektoren pro Quadrant betrachtet werden [1]. Der Lasterhöhungsfaktor ergibt sich somit wie folgt [2]:

νEd=edALE
νEd,m=νEducrit
νEd,i=edAiui
β=max{νEd,i/νEd,m}

Genaueres Verfahren

nach EC 2-1-1, 6.4.3 (1;2)

Sind die oben genannten Voraussetzungen nicht erfüllt oder ist die bezogene Ausmitte e/c bei Randstützen größer als 1,2 (wobei c die Stützenabmessung in Richtung der Ausmitte darstellt), ist der Lasterhöhungsfaktor mit genaueren Verfahren

Bild 12: Querkraftverteilung infolge eines Kopfmomentes einer Stütze

zu ermitteln. Hierbei wird die Annahme einer vollplastischen Schubspannungsverteilung am kritischen Rundschnitt getroffen [4].


Die Gleichung lautet somit wie folgt:

β=1+kMEdVEdu1W11,10

mit

W1=0ui|e|dl

und somit bei einer geschlossenen Rechteckstütze mit c1 parallel und c2 senkrecht zur Lastausmitte:

W1=c122+c1c2+4c2d+16d2+2πdc1
Tabelle Beiwert k

und dem Beiwert k

Bei Decken-Stützenknoten mit zweiachsiger Ausmitte gilt (NA) [2]:

W1=1+(kyMEd,yVEdu1W1,y)2+(kzMEd,zVEdu1W1,z)21,10

Punktförmig gestützt Platten und Fundamente ohne Durchstanzbewehrung

Bei Platten ohne Durchstanzbewehrung lautet der erforderliche Nachweis im kritischen Rundschnitt wie folgt:

νEdνRd,c=CRd,ck(100ρlfck)1/3+k1σcpνmin+k1σcp

Die Einflussfaktoren sind folglich die Betonfestigkeit, der Längsbewehrungsgrad, die Plattendicke sowie die Betonnormalspannung (z.B. infolge einer Vorspannung). Für Flachdecken gilt im Allgemeinen:

CRd,c=0,18/γc

mit γc=1,5

Dieser empirische Vorwert beträgt für ständige und vorübergehende Bemessungssituationen CRd,c= 0,12.

Bild 13: u0>4d und u0<4d

Für Innenstützen bei Flachdecken mit dem Verhältnis u0/d<4 (mächtige Platte auf schlanker Stütze, siehe Bild 13) gilt (NA) [5]:

CRd,c=0,18/γc(0,1u0/d+0,6)

Bei Rundstützen mit einem u012d ist das CRd,c wie folgt zu ermitteln, da man von einer querkraftbeanspruchten Flachdecke ausgeht [1]:

CRd,c=12du00,18γc0,15γc


Weitere benötigte Parameter des Nachweises ergeben sich wie folgt:

  • Maßstabsfaktor zur Berücksichtigung der Bauteilhöhe mit d in mm:
k=1+200d2,0
  • Bewehrungsgrad, bezogen auf die mitwirkende Plattenbreite:
ρl=ρlxρly0,02 und 0,50fcdfyd (NA)
  • Betonnormalspannung in N/mm2 (Druck positiv!):
σcp=σcx+σcy2
  • Mindesttragfähigkeit: maßgebend, wenn νminνRd,c
νmin=0,035k3/2fck1/2
νmin=(0,0525/γc)k3/2fck1/2 für d600mm (NA)
νmin=(0,0375/γc)k3/2fck1/2 für d>800mm (NA)

Für 600mm<d800mm darf interpoliert werden.

k1=0,10

Stützenkopfverstärkungen

Eine Stützenkopfverstärkung dient der Erhöhung der Tragfähigkeit, da durch diese der Durchmesser des Durchstanzkegels vergrößert wird [8].

Schlanker Stützenkopf: lH>2,0

Bild 14a: Stützenkopfverstärkung bei lH>2,0

Der Nachweis ist innerhalb und außerhalb der Stützenkopfverstärkung zu führen.

Gedrungener Stützenkopf: lH<2,0

Bild 14b: Stützenkopfverstärkung bei lH<2,0

In diesem Fall ist der Nachweis nur außerhalb der Stützenkopfverstärkung zu führen.

Stützenkopf mit 1,5<lH<2,0

Bild 14c: Stützenkopfverstärkung bei 1,5<lH<2,0

Es ist ein zusätzlicher Nachweis im Abstand von 1,5(d+hH) = 1,5dH zu führen, da mit der steileren Stanzkegelneigung (siehe Bild 16) ein Versagen innerhalb der Verstärkung ausgeschlossen werden muss.

Besonderheiten von Fundamenten

Bei Bodenplatten und Stützenfundamenten darf in der Fläche Acrit die Einwirkung vollständig um den günstig wirkenden Sohldruck abgemindert werden. Durch die Bodenpressung und eine geringere Schubschlankheit fällt der Durchstanzkegel deutlich steiler aus als bei schlanken Deckenplatten. Aufgrund dieser Parameter ist die Lage des maßgeblichen Rundschnitts im Voraus nicht bekannt [9]. Die reduzierte Querkraftbeanspruchung ermittelt sich wie folgt:

VEd,red=VEdΔVEd

Dabei stellt VEd den resultierenden Sohldruck der kritischen Fläche ohne das Fundamenteigengewicht dar.

Der im Vornherein unbekannte Abstand acrit lässt sich wie folgt ermitteln (NA):

  • gedrungene Fundamente λ2,0: interactive Ermittlung des kritischen Rundschnitts
  • schlanke Fundamente λ>2,0: konstanter Rundschnitt im Abstand 1,0d.

mit

λ=aλd

und der Bedingung:

acrit2d

Bei Fundamenten ohne vorherrschende Normalspannung und somit einem

σcp=0, wird der Nachweis wie folgt geführt:
νEdνRd=CRd,ck(100fck)1/32dacritνmin2dacrit(NA)

Da bei Fundamenten ein Einfluss der Schlankheit vorherrscht, wird das geforderte Zuverlässigkeitsniveau nicht erreicht, folglich muss die Gleichung angepasst werden [4]:

CRd,c=0,15/γc
Bild 15: Fundament ohne Durchstanzbewehrung

mit γc=1,5 Die Einwirkung setzt sich hierbei folgendermaßen zusammen:

νEd=βVEd,reducritd

mit

β1,10 (NA)
  • β=1,10 (NA) für mittige Belastung
    β=1+kMEducritVEd,redW für aussermittige Belastung

Es besteht somit eine Analogie zwischen dem Nachweis der Durchstanztragfähigkeit und der Ermittlung der Querkrafttragfähigkeit bei biegebewehrten Stahlbetonbauteilen. Da durch den rotationssymmetrischen Durchstanzkegel eine höhere Rissverzahnung vorliegt, fällt die Durchstanztragfähigkeit jedoch höher aus [2].

Ermittlung des Abstandes acrit

Bild 16: Diagramm zur grafischen Herleitung des maßgebenden Rundschnitts bei Einzelfundamenten

In Abhängigkeit des Abstandes acrit kann mit der folgenden Gleichung das maßgebende Minimum ermittelt werden. Somit ergibt sich der relevante kritische Rundschnitt. VRd,c1AcontAF Neben der aufwendigen iterativen Methode zur Ermittlung von acrit bietet das aufgezeigte Diagramm (siehe Bild 15) eine alternative Bestimmungsoption. Dieses stellt die Zusammenhänge der folgenden Eingangsparameter dar [3]: cdundlc

mit

  • l- Fundamentlänge
  • c- Stützenbreite
  • d- statische Nutzhöhe

Ausmittig belastete Fundamente mit klaffenden Fugen im Rundschnittbereich

In diesem Fall (e=l/6) sollte die Berechnung über einzelne Sektoren erfolgen. Der abzuziehende Wert für den Sohldruck ergibt sich somit für jeden Sektor separat [8].

Punktförmig gestützte Platten und Fundamente mit Durchstanzbewehrung

Ist der Bemessungswert der Einwirkung νEd größer als der Widerstand νRd,c so ist eine Durchstanzbewehrung auszuführen. Bei dem so entstandenen räumlichen Fachwerkmodell werden die Zugstreben von der Durchstanzbewehrung gebildet [4]. Die möglichen Versagensmechanismen müssen durch mehrere Nachweise geprüft werden. Die Maximaltragfähigkeit νRd,max wird benötigt, um die ausreichende Bewehrungsmenge zu ermitteln. Dieser Wert bezieht sich auf den kritischen Rundschnitt u1 und sagt aus, ob die Einwirkung νEd durch eine Durchstanzbewehrung aufgenommen werden kann [5].

νEd,u1=βVEdu1dνRd,max=1,4νRd,c,u1(NA)

Bei der Berechnung von νRd,c darf in diesem Fall keine Betondrucknormalspannung σcp durch eine Vorspannung berücksichtig werden [2].

Bild 17: Querkraftdeckung bei Bügeln als Durchstanzbewehrung

Der Nachweis der Durchstanzbewehrung erfolgt ebenfalls für den kritischen Rundschnitt u1. Die so ermittelte Bewehrung wird auf mehrere Rundschnitte verteilt:

νRd,cs=0,75νRd,c+1,5dsrAswfywd,efsin(α)u1dνEd,u1(NA)

Hieraus ergibt sich die erforderliche Durchstanzbewehrung:

AswJ=κswJ(νEd0,75νRd,c)du11,5dsrfywd,ef

mit ffwd,ef=250+0,25dfywd in N/mm^2

In den ersten zwei Reihen des Rundschnitts ist der Betonstahlquerschnitt Asw aufgrund einer Unterschätzung mit dem Faktorκ zu erhöhen[8].

  • 1.Reihe 0,3dsr10,5d: κsw,1=2,5
  • 2.Reihe sr20,75d: κsw,2=1,4
  • bis zur letzten Reihe (sri0,75d): κsw,i=1,0

Es wird der größte Wert für sr gewählt, jedoch nicht größer als sr,max=0,75d

Es sind mindestens zwei Bewehrungsreihen zu verlegen, welche wie in Bild 16 anzulegen sind. Die letzte Bewehrungsreihe ist im Abstand 1,5dvom äußeren Rundschnitt uout anzulegen (siehe Bild 17).

Äußerer Rundschnitt

Dieser ergibt sich wie folgt:

uout=βVEdνRd,cd


Somit muss nachgewiesen werden, dass im kritischen Rundschnitt uout keine Durchstanzbewehrung mehr erforderlich ist: νEd,out=βVEdνoutdνRd,c

Zur Bestimmung des Betontraganteils νRd,cwirdderFaktor<math>CRd,c=0,15/γc angesetzt. Dieser Wert stellt hier die Tragfähigkeit einer liniengelagerten Platte ohne Querkraftbewehrung unter Berücksichtigung des Längsbewehrungsgrads<math\rho_l</math> im äußeren Rundschnitt dar [4].

Besonderheiten von Fundamenten und Bodenplatten

Bei Fundamenten ist die reduzierte einwirkende Querkraft VEd,red von den ersten zwei Bewehrungsreihen voll aufzunehmen, dabei ist der Betontraganteil nicht in Abzug zu bringen. Die erforderliche Bewehrung ist gleichmäßig auf die ersten beiden Reihen zu verteilen [1].

  • 1. Reihe im Abstand s0=0,3d und
  • 2. Reihe im Abstand s0+s1=0,8d

Die Maximaltragfähigkeit des Fundaments setzt sich folgendermaßen zusammen:

νRd,max=1,4νRd,c,u1

Bei Fundamenten ist u1 gegebenenfalls durch den interativ ermittelten Wert von u im Abstand acrit zu ersetzen. Hier darf bei der Ermittlung von νRd,c keine Betondruckspannungσcp durch eine Vorspannung berücksichtigt werden [1]. Wird der Maximalwert überschritten, so müssen Maßnahmen zur Steigerung des Querkraftwiderstands ergriffen werden. Hierzu gehören[3]:

  • Erhöhung der Betongüte
  • Vergrößerung der Fundamentenhöhe
  • oder Erhöhung des Bewehrungsgrades

Folgende Nachweise sind zu führen [4]:

  • für Bügelbewehrung:
βVEd,redVRd,s=Asw,1+2fywd,ef

Umgestellt zur Ermittlung der Bewehrungsmenge:

Asw,1+2=βVEd,redfywd,ef
  • für Schrägbewehrung:
βVEd,redVRd,s=1,3Asw,1+2fywd,efsin(α)

Weitere eventuell erforderliche Bewehrungsreihen werden mit 33 % von Asw,1+2 versehen.

0,33Asw,1+2

Hierbei darf innerhalb der betrachteten Bewehrungsreihe die Bodenpressung der Fundamentfläche in Abzug gebracht werden [8].

Mindestmomente für Platten-Stützen-Verbindungen

Bild 19: Momentenbeiwert und Verteilungsbreiten der Mindestmomente mEd
Bild 20: Ansatz der Mindestmomente

Die Sicherheit gegen Durchstanzen bei nicht berücksichtigten Exzentrizitäten wird durch die Berechnung der Mindestmomente mEd,x und mEd,y gewährleistet. Diese sollen eine Begrenzung der Schubrissweiten und die Erhaltung des räumlichen Tragmodells sicherstellen. Bei Erhalt von größeren Werten durch die Schnittgrößenermittlung sind diese maßgebend [4]. Es dürfen nur die Bewahrungsstäbe berücksichtigt werden, welche außerhalb des kritischen Rundschnitts verankert sind. Die Mindestmomente ergeben sich wie folgt:

  • mEd,x=ηxVEd
  • mEd,y=ηyVEd


Die Anordnung der Bewehrung erfolg nach Bild 20.

Mindestbewehrung und Konstruktionsregeln

Bild 21: Schrägstäbe als Durchstanzbewehrung

Ist in einer Platte eine Durchstanzbewehrung vorzusehen, so muss die Platte eine Mindestdicke von 20 cm aufweisen [8]. Die vorgesehene Durchstanzbewehrung ist bei Deckenplatten in der oberen, bei Fundamenten in der unteren Lage anzuordnen, da diese die Zugseiten darstellen. Bei der Ermittlung von Durchstanzbewehrung, darf die Grundbewehrung angerechnet werden. Existieren nebenliegende Durchbrüche, so dürfen diese nicht größer als 1/3 der Stützenbreite, beziehungsweise des Durchmessers der Stütze ausfallen [7]. Der Stabdurchmesser der Durchstanzbewehrung ist an die mittlere Nutzhöhe der Platte anzupassen[5]:

  • bei Bügeln:
0,05d
  • bei Schrägaufbiegung:
0,08d

Maximaler tangentialer Abstand der Bügelschenkel

  • innerhalb des kritischen Rundschnitts st= 1,5d
  • außerhalb des kritischen Rundschnitts st=2,0d

Als Mindestbewehrung gilt (je Bügelschenkel)(NA):

Asw,min=Assin(α)=0,08fcksrstfyk1,5

Schrägstäbe sind in einem Winkel von 45<α<60 zur Bauteilachse auszuführen.

Dabei ist ihre Aufbiegungen im Bereich 1,5d um die Stütze anzulegen. Bei aufgebogenen Schrägstäben ist eine Bewehrungsreihe ausreichend, welche mit einem sr= 0,67d angenommen werde kann [9]. Bei der Berechnung des Bauteiltragwiderstands ist das Verhältnis d/sr= 0,53 zu beachten. Des Weiteren kann die Bewehrung bis fywd,ef = fywd ausgereizt werden, da Schrägstäbe selbst bei dünnen Platten die Streckgrenze erreichen [1]. Darüber hinaus müssen mindestens 50 % der Längsbewehrung in radialer oder tangentialer Richtung von der Durchstanzbewehrung umschlossen werden.

Querkraftzulagen sind als Durchstanzbewehrung unzulässig [3].

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 K. Zilch F. Fingerloos, J. Hegger. Eurocode 2 für Deutschland. Ernst + Sohn, Beuth-Verlag, S. 263-281, 1. Aufl. edition, 2012
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 Prof. Dr.-Ing. Rudolf Baumgart. Durchstanznachweis nach EC 2. Skript Hochschule Darmstadt-University of Applied Sciences, 2012
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Dr.-Ing. Markus Staller/Dipl.-Ing. Christian Juli. Durchstanzen von Flachdecken und Fundamenten. Hochschule München- Einführung in den Eurocode 2 mit Praxisbeispielen und Konstruktion im Stahlbeton- und Spannbetonbau, 2012
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 4,8 Prof. Dr-Ing. Jens Minnert. Durchstanzen nach EC 2-1-1 und EC 2-1-1/NA. mb AEC- Fit für den Eurocode, 2012
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 5,6 5,7 5,8 Prof. Dipl.-Ing. Frank Prietz. Durchstanzen nach DIN EN 1992-1-1 +NA.Skript
  6. Prof Dr.-Ing. Guido Bolle. Skript: Modul - Stahlbetonbau 2
  7. 7,0 7,1 7,2 Dipl.-Ing. Klaus Beer. Bewehren nach DIN EN 1992-1-1(EC2). Vieweg+Teubner, S. 196-207, 3. Aufl. edition, 2012
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 8,5 G. Zehetmaier K. Zilch. Bemessung im konstruktiven Betonbau. Springer, S.313-361, 2. Aufl. edition, 2010
  9. 9,0 9,1 9,2 Markus Ricker. Zur Zuverlässigkeit der Bemessung gegen Durchstanzen bei Einzelfundamenten. Dissertation (Reihnisch-Westfälische Technischen Hochschule Aachen), 2009
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