Verankerungslänge

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Die Verankerungslänge bezeichnet die Verlängerung von Bewehrungsstäben über ihre rechnerische Notwendigkeit hinaus, um die am Stabende noch vorhandene Randzugkraft in den Beton einzuleiten. Die Bestimmung der Verankerungslänge gehört zu den nötigen Nachweisen eines Bauteils und gliedert sich in die konstruktive Durchteilung ein.

Zu erstellen:

- Seite Verankerungslänge

- Bsp Endauflager

- Bsp Zwischenauflager

- Bsp Außerhalb vom Auflager

- Bsp Konsole

- Bsp Einzelfundament

- Bsp Kragarmende

Allgemeine Informationen

Verbund zwischen Beton und Stahl

Die Übertragung von Kräften zwischen Beton und Bewehrungsstahl erfolgt über den Verbund zwischen beiden Materialien.


Theoretischer Hintergrund der Verankerungslänge

Formen und Beiwerte der Verankerungslänge

Grundwert der Verankerungslänge

Der Grundwert der Verankerungslänge lb,rqd ist abhängig von drei Größen: dem Stabdurchmesser s, der Stahlspannung σsd und der Verbundfestigkeit fbd. Für eine kurze Verankerungslänge sorgen kleine Stabdurchmesser, eine geringe Stahlspannung und hohe Verbundfestigkeit. Die Formel zur Bestimmung von lb,rqd lautet


lb,rqd=s4σsdfbd


Bemessungswert der Verankerungslänge

Der Bemessungswert der Verankerungslänge lbd misst die Länge vom Beginn der Verankerungslänge bis zum Stabende. Die Formel hierfür ist


lbd=α1α3α4α5lb,rqd


Ersatzverankerungslänge

Alternativ zur Bestimmung der tatsächlichen, gegebenenfalls gebogenen Verankerungslänge lbd kann vereinfacht die gerade Stablänge lb,eq ermittelt werden. Die Formel hierfür lautet


lb,eq=α1α4α5lb,rqd


Die Ermittlung von lb,eq ist üblich für die Mehrzahl der Fälle der Ermittlung der Verankerungslänge. Lediglich dort, wo die Verankerungslänge unmittelbar an der Stelle der Biegung beginnt, wird auf lbd zurückgegriffen.


Beiwerte der Verankerungslänge

Bei der Ermittlung des Bemessungswerts der Verankerungslänge lbd oder der Ersatzverankerungslänge lb,eq aus dem Grundwert der Verankerungslänge lb,rqd kommen einige Beiwerte zum Einsatz. Diese sind wie folgt:

Beiwert Bedeutung
α1 - Beiwert für Formgebung
α2 - Beiwert für Mindestbetondeckung
α3 - Beiwert für nicht angeschweißte Querbewehrung
α4 - Beiwert für angeschweißte Querbewehrung
α5 - Beiwert für Querdruck


Übersicht über die Beiwerte

Beiwert für die Formgebung


α1 - Formgebung:

Bei bestimmten Stabenden gilt α1=0,7, da die Zugkraft durch das Aufbiegen auf einer kürzeren horizontalen Länge abgetragen werden kann. Die an der Krümmung entstehenden Spaltzugkräfte müssen durch hinreichende Betondeckung und Stababstände kompensiert werden, hier ist cd>3s festgelegt. Alternativ können die Spaltzugkräfte auch durch Querdruck oder enge Verbügelung im Verankerungsbereich (Bügelabstand < 50 mm) aufgenommen werden.

Bei der Verwendung von Schlaufen besteht zusätzlich die Möglichkeit, unter Einhalten von cd>3s und eines Biegerollendurchmessers D15s, den Beiwert auf α1=0,5 zu reduzieren.

Druckstäbe sind immer mit geradem Stabende zu verankern.

Abstand cd für Balken und Platten





α2 - Mindestbetondeckung:


Der Beiwert für die Mindestbetondeckung erlaubt theoretisch eine Reduzierung auf

α2=max{10,15(cds)s0,7}1,0

In Deutschland ist dieser Beiwert aus der Formel zur Ermittlung des Bemessungswerts der Verankerungslänge gestrichen. Der Grund hierfür liegt in den möglichen Versagensfällen bei ungenügender Verankerungslänge. Diese sind das Herausziehen des Stabes und die Bildung von Spaltrissen im Beton. Eine hinreichende Betondeckung und ein genügender Stababstand erhöhen die Sicherheit gegen Spaltrisse, aber nicht gegen das Herausziehen. Somit würde der Beiwert eine Sicherheit vermitteln, die er gar nicht erzeugt.


α3 - Nicht angeschweißte Querbewehrung:

Werte für K für Balken und Platten


Der Beiwert α3 betrachtet den günstigen Einfluss einer nicht angeschweißten Querbewehrung im Verankerungsbereich. Dieser gilt allerdings nur, wenn die verwendete Querbewehrungsmenge die Mindestquerbewehrungsmenge übersteigt. Bestimmt wird der Beiwert mit


α3=max{1Kλ0,7}1,0


Dabei ist

λ =(AstAst,min)/As
Ast die Querschnittsfläche der Querbewehrung innerhalb der Verankerungslänge
Ast,min) die Querschnittsfläche der Mindestbewehrung
As die Querschnittsfläche des größten einzelnen verankerten Stabs
K Beiwert entsprechend des Bildes


Für Druckstäbe gilt generell α3=1,0.


α4 - Angeschweißte Querstäbe:

Angeschweißter Querstab

Unter bestimmten Vorgaben kann einer oder mehrere angeschweißte Querstäbe die benötigte Verankerungslänge reduzieren. Werden die angegebenen Bedingungen eingehalten, so gilt sowohl für Zug- als auch für Druckstäbe α4=0,7.




α5 - Querdruck:

Der Beiwert α5 betrachtet den Einfluss von Querdruck oder -zug im Verankerungsbereich. Unter Annahme eines Querdrucks p senkrecht zur Verankerungsebene berechnet sich der Beiwert als


α5=max{10,04p0,7}


Für bestimmte Situationen gibt es festgelegte Werte für α5:

1,5 - bei Querzug senkrecht zur Verankerungsebene
2/3 - bei direkter Lagerung
2/3 - bei einer allseitig durch Bewehrung gesicherten Betondeckung von mindestens 10s


Mindestverankerungslänge

Für Zugstäbe ist die Mindestverankerungslänge definiert als

lb,min=max{0,3α1α4α5(s4fydfbd)10α5s}



Für Druckstäbe gilt

lb,min=max{0,6α1α4α5(s4fydfbd)10α5s}



Am Zwischenauflager gilt in Deutschland vereinfachend

lb,min=6s


Randzugkraft

Ansätze der Berechnung der Verankerungslänge

Situationen der Verankerungslänge

Die verschiedenen Situationen der Verankerungslänge unterscheiden sich vor allem in der Ermittlung der erforderlichen Bewehrungsmenge an der jeweiligen Stelle. Darüber hinaus gelten gegebenenfalls besondere Regeln für die Bestimmung von lbd, lb,eq und lb,min.


Verankerung am Endauflager

Am Endauflager wird die zu verankernde Zugkraft maßgeblich durch die einwirkende Querkraft bestimmt. Die Formel zur Berechnung lautet

Fsd=VEdaLz+NEdVEd2

Am Endauflager kann vereinfachend VEd=Auflagerkraft angesetzt werden. Aus der Randzugkraft wird die benötigte Bewehrung berechnet werden als

As,erf=Fsdfyd

Die Verankerungslänge am Endauflager beginnt an der Auflagerkante. Die Verankerung muss mindestens bis zur rechnerischen Auflagerlinie des statischen Systems reichen. Außerdem müssen mindestens 25 % der Feldbewehrung bis ins Auflager geführt und dort verankert werden.


Berechnungsbeispiel zur Verankerung am Endauflager


Verankerung am Zwischenauflager

Die am Zwischenauflager endende Feldbewehrung liegt im Druckbereich. Deshalb ist sie in vielen Fällen rechnerisch nicht nötig, es gilt As,erf=0, gleiches gilt damit auch für σsd und lb,rqd. Aus diesem Grund ist am Zwischenauflager lb,min maßgeblich, die außerdem auf lb,min=6s reduziert wird. Die Verankerungslänge am Zwischenauflager beginnt an der Auflagerkante.


Berechnungsbeispiel zur Verankerung am Zwischenauflager


Verankerung außerhalb von Auflagern

Abseits der Auflager eines Balkens enden Bewehrungsstäbe im Kontext der Zugkraftdeckung. Bei dieser sind erforderliche und vorhandene Bewehrung an der jeweiligen Stelle unmittelbar bekannt. Damit kann die Bestimmung der Verankerungslänge ohne besondere Regeln durchgeführt werden.


Berechnungsbeispiel zur Verankerung außerhalb von Auflagern


Verankerung am Kragarmende

Berechnungsbeispiel zur Verankerung am Kragarmende


Verankerung am Rand von Einzelfundamenten

Berechnungsbeispiel zur Verankerung am Rand von Einzelfundamenten


Verankerung an Konsolen

Die Zugkräfte in Konsolen werden generell über eine bis drei Schlaufen aufgenommen. Die Verankerung dieser Zugbewehrung unter der Last in Konsolen gleicht dem Ablauf am Endauflager, da sich die beiden Situationen ähneln. Bei der Bemessung von Konsolen wird die benötigte Bewehrungsmenge unmittelbar an der zu verankernden Stelle bestimmt, damit ist As,erf bekannt. Zu beachten ist, dass die Verankerungslänge an Konsolen an der der Stütze zugewandten Seite beginnt.


Berechnungsbeispiel zur Verankerung an Konsolen