Verankerungslänge

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Die Verankerungslänge bezeichnet den Abschnitt am Ende eines Bewehrungsstabes, in dem die am Beginn der Verankerungslänge wirkende Zug- oder Druckkraft vollständig über Verbund in den Beton eingeleitet wird. Ziel der Bemessung der Verankerungslänge ist, dass keine Überschreitung der Trägfähigkeit der Betonkonsole und der Zugfestigkeit des Betons in Querrichtung stattfindet. Die Sicherstellung einer ausreichenden Verankerungslänge gehört zu den notwendigen Nachweisen eines Bauteils und gliedert sich in den Arbeitsabschnitt "konstruktive Durchbildung der Bewehrung" ein.


Allgemeines

Verbund zwischen Beton und Stahl

Kraftübertragung zwischen Beton und Stahl

Die Übertragung von Kräften zwischen Beton und Bewehrungsstahl erfolgt über den Haft-, Reib- und Formverbund, den größten Anteil an der Kraftübertragung hat hierbei der Formverbund. Da bei der Berechnung auch nur der Formverbund berücksichtigt wird, wird auf den Haft- und Reibverbund im folgenden nicht näher eingegangen.

Bei dem genormten Betonstahl wird der Formverbund durch eine Oberflächenprofilierung in Form von Ripppen sichergestellt. Haupteinflussfaktoren auf den Formverbund sind die Form und Neigung der Rippen, die Rippenhöhe und der Rippenabstand. Bei geringen Relativverschiebungen zwischen Bewehrung und Beton stützen sich die Rippen auf dem Beton ab, eine Art Betonkonsole entsteht.

Aufgrund der Anordnung und Form der Rippen findet die Kraftübertragung in Form von ringförmigen schrägen Betondruckstreben statt. Aus Gleichgewichtsgründen bilden sich außerdem Zugspannungsringe senkrecht zur Stabachse.[1] Damit sich diese Zugspannungen aufgenommen werden können, muss eine ausreichende Betondeckung vorhanden sein. Eine zu geringe Betondeckung oder ein zu geringer Stababstand können Längsrisse parallel zur Stabachse zur Folge haben und damit die Verbundwirkung beeinträchtigen.[2]

Verbundfestigkeit

Die Größe der aufnehmbaren Verbundspannung wird als Verbundfestigkeit bezeichnet. Sie ist abhängig von der Oberflächenbeschaffenheit des Bewehrungsstabs und der Betonzugfestigkeit. Die Berechnung der Verbundfestigkeit kann mit folgender Gleichung erfolgen, die Gleichung ist nur für Betonstahl nach DIN EN 10080 [3] anwendbar, eine Anwendung für Stäbe mit anderen Eigenschaften z.B. glatte Bewehrungsstäbe ist nicht zulässig.

fbd=2,25η1η2fctk;0,05γc


wobei:

η1 ein Beiwert für die Verbundbedingungen
η2 ein Beiwert für große Stabdurchmesser
fctk;0,05 der 5 %-Quantil-Wert der charakteristischen Betonzugfestigkeit
γc der Teilsicherheitsbeiwert für die Betonfestigkeit


Festlegun der Bereiche mit guten und mäßigen Verbundbedingungen nach [4]

Mit dem Beiwert η1 wird die Lage der Bewehrung im Bauteil berücksichtigt. Abhängig von der Lage wird zwischen guten und mäßigen Verbundbedingungen unterschieden. Mäßige Verbundbedigungen entstehen, wenn während des Verdichtens Luft und Wasser im Beton nach oben transportiert werden und sich unter oben liegenden Stäben ansammeln. Nach der Aushärtung des Betons bilden sich hier Poren oder Ablösungen, so dass der Verbund zwischen Beton und Stahl in diesem Bereich beeinträchtigt ist.

Als Stäbe mit guten Verbundbedigungen gelten Stäbe, welche sich während des Betonierens im unteren Bereich (vgl. Grafik) des Bauteils befinden sowie Stäbe mit einer Neigung >45° bezogen auf die Betonierrichtung. Nähere Informationen zu den Verbundbedingungen können der Grafik entnommen werden. Die Werte für η1 werden im EC2 [4] folgendermaßen definiert:

η1=1,0 für gute Verbundbedingungen
η1=0,7 für mäßige Verbundbedingungen

Der Beiwert η2 berücksichtigt sehr große Stabdurchmesser. Ab einem Grenzwert von Øs = 32 mm nimmt die Verbundfestigkeit bei sonst gleich bleibenden Bedingungen aufgrund der erhöhten Spaltrissgefahr ab. Der Beiwert wird berechnet mit

η2=1,0 für Øs ≤ 32 mm
η2=(132s)/100 für Øs > 32 mm


Die Zugfestigkeit fctk;0,05 ist auf die Betondruckfestigkeit fck zurückführbar. Am einfachsten ist es daher, Tabellen zu benutzen, aus denen die Zugfestigkeit fctk;0,05 bzw. die Verbundfestigkeit fbd in Abhängigkeit von fck ablesbar sind.[5]. Da der Beton mit zunehmender Festigkeit spröder wird, wird die Betonzugfestigkeit für die Ermittlung der Verbundfestigkeit auf den Wert für C60/75 begrenzt.


Kleine Herleitung der Verankerungslänge

Im Zuge der Bemessung eines Bauteils wird die nötige Bewehrung bereichsweise für die jeweils maximalen auftretenden Schnittgrößen bestimmt. In der anschließenden konstruktiven Durchbildung wird dann zum Beispiel im Rahmen der Zugkraftdeckung die ermittelte Zugbewehrung dem tatsächlichen Momentenverlauf angepasst und abgestuft. Die so entstehenden Stabenden können nicht direkt an dem Punkt, an dem sie rechnerisch nicht mehr benötigt werden, enden. Vielmehr muss die an diesem Punkt noch im Stab vorhandene Zugkraft im Beton „verankert“ werden, weshalb dieser zusätzliche Stababschnitt als Verankerungslänge lb bezeichnet wird.

Verlauf der Verbundspannungen

Bei niedriger Beanspruchung ist der Beton an der Stelle der Lasteinleitung ungeschädigt und die Verbundspannung dementsprechend hoch. Erhöht sich die Belastung, so wird der Beton zunächst an der Lasteinleitungsstelle geschädigt (plastisch deformiert), wodurch sich die Verbundspannung in die vorher weniger beanspruchten Bereiche umlagert.[6] In der Berechnung wird dieses komplexe Umlagerungsverhalten nicht berücksichtigt und die Verbundspannung wird als über die Verankerungslänge und den Stabumfang konstant angesetzt.

Grundlage der Verankerungslänge

In der dargestellten Skizze muss die Zugkraft Fsd vom Stab in den Beton mittels Verbundspannung übertragen werden. Aus Gleichgewichtsgründen gilt nun, dass die zu verankernde Zugkraft Fsd kleinergleich der Verbundfestigkeit fbd multipliziert mit der Mantelfläche des Stabes lbu sein muss, also:

Fsd=fbdlbu

Der Umfang des Bewehrungsstabes wird berechnet mit

u=πs

Die Gleichung für Fsd umgestellt nach der benötigten ("required") Verankerungslänge ergibt

lb,rqd=Fsdπsfbd

Die bisher unbekannte Zugkraft Fsd ist das Produkt von Stahlspannung σsd und Bewehrungsfläche As. Die Bewehrungsfläche eines Stabs ist As=π4s2. Eingesetzt in die Gleichung der Verankerungslänge ergibt sich

lb,rqd=π4s2σsdπsfbd=s4σsdfbd

Die Stahlspannung entspricht der Auslastung des Stahls in Relation zum Bemessungswert der Festigkeit an der Streckgrenze fyd und kann berechnet werden als

σsd=fydAs,erfAs,vorh

Formen und Beiwerte der Verankerungslänge

Grundwert der Verankerungslänge

Der Grundwert der Verankerungslänge lb,rqd ist abhängig von drei Größen: dem Stabdurchmesser s, der Stahlspannung σsd und der Verbundfestigkeit fbd. Für eine kurze Verankerungslänge sorgen kleine Stabdurchmesser, eine geringe Stahlspannung und hohe Verbundfestigkeit. Die Formel zur Bestimmung von lb,rqd lautet

lb,rqd=s4σsdfbd


Bemessungswert der Verankerungslänge

Der Bemessungswert der Verankerungslänge lbd misst die Länge vom Beginn der Verankerungslänge bis zum Stabende. Die Formel hierfür ist


lbd=α1α3α4α5lb,rqd


Ersatzverankerungslänge

Alternativ zur Bestimmung der tatsächlichen, gegebenenfalls gebogenen Verankerungslänge lbd kann vereinfacht die gerade Stablänge lb,eq ermittelt werden. Die Formel hierfür lautet


lb,eq=α1α4α5lb,rqd


Die Ermittlung von lb,eq ist üblich für die Mehrzahl der Fälle der Ermittlung der Verankerungslänge. Lediglich dort, wo die Verankerungslänge unmittelbar an der Stelle der Biegung beginnt, wird auf lbd zurückgegriffen.


Beiwerte der Verankerungslänge

Bei der Ermittlung des Bemessungswerts der Verankerungslänge lbd oder der Ersatzverankerungslänge lb,eq aus dem Grundwert der Verankerungslänge lb,rqd kommen einige Beiwerte zum Einsatz. Diese sind wie folgt:

Beiwert Bedeutung
α1 - Beiwert für Formgebung
α2 - Beiwert für Mindestbetondeckung
α3 - Beiwert für nicht angeschweißte Querbewehrung
α4 - Beiwert für angeschweißte Querbewehrung
α5 - Beiwert für Querdruck


Übersicht über die Beiwerte

Beiwert für die Formgebung


α1 - Formgebung:

Bei bestimmten Stabenden gilt α1=0,7, da die Zugkraft durch das Aufbiegen auf einer kürzeren horizontalen Länge abgetragen werden kann. Die an der Krümmung entstehenden Spaltzugkräfte müssen durch hinreichende Betondeckung und Stababstände kompensiert werden, hier ist cd>3s festgelegt. Alternativ können die Spaltzugkräfte auch durch Querdruck oder enge Verbügelung im Verankerungsbereich (Bügelabstand < 50 mm) aufgenommen werden.

Bei der Verwendung von Schlaufen besteht zusätzlich die Möglichkeit, unter Einhalten von cd>3s und eines Biegerollendurchmessers D15s, den Beiwert auf α1=0,5 zu reduzieren.

Druckstäbe sind immer mit geradem Stabende zu verankern.

Abstand cd für Balken und Platten





α2 - Mindestbetondeckung:


Der Beiwert für die Mindestbetondeckung erlaubt theoretisch eine Reduzierung auf

α2=max{10,15(cds)s0,7}1,0

In Deutschland ist dieser Beiwert aus der Formel zur Ermittlung des Bemessungswerts der Verankerungslänge gestrichen. Der Grund hierfür liegt in den möglichen Versagensfällen bei ungenügender Verankerungslänge. Diese sind das Herausziehen des Stabes und die Bildung von Spaltrissen im Beton. Eine hinreichende Betondeckung und ein genügender Stababstand erhöhen die Sicherheit gegen Spaltrisse, aber nicht gegen das Herausziehen. Somit würde der Beiwert eine Sicherheit vermitteln, die er gar nicht erzeugt.


α3 - Nicht angeschweißte Querbewehrung:

Werte für K für Balken und Platten


Der Beiwert α3 betrachtet den günstigen Einfluss einer nicht angeschweißten Querbewehrung im Verankerungsbereich. Dieser gilt allerdings nur, wenn die verwendete Querbewehrungsmenge die Mindestquerbewehrungsmenge übersteigt. Bestimmt wird der Beiwert mit


α3=max{1Kλ0,7}1,0


Dabei ist

λ =(AstAst,min)/As
Ast die Querschnittsfläche der Querbewehrung innerhalb der Verankerungslänge
Ast,min) die Querschnittsfläche der Mindestbewehrung
As die Querschnittsfläche des größten einzelnen verankerten Stabs
K Beiwert entsprechend des Bildes


Für Druckstäbe gilt generell α3=1,0.


α4 - Angeschweißte Querstäbe:

Angeschweißter Querstab

Unter bestimmten Vorgaben kann einer oder mehrere angeschweißte Querstäbe die benötigte Verankerungslänge reduzieren. Werden die angegebenen Bedingungen eingehalten, so gilt sowohl für Zug- als auch für Druckstäbe α4=0,7.




α5 - Querdruck:

Der Beiwert α5 betrachtet den Einfluss von Querdruck oder -zug im Verankerungsbereich. Unter Annahme eines Querdrucks p senkrecht zur Verankerungsebene berechnet sich der Beiwert als


α5=max{10,04p0,7}


Für bestimmte Situationen gibt es festgelegte Werte für α5:

1,5 - bei Querzug senkrecht zur Verankerungsebene
2/3 - bei direkter Lagerung
2/3 - bei einer allseitig durch Bewehrung gesicherten Betondeckung von mindestens 10s


Mindestverankerungslänge

Für Zugstäbe ist die Mindestverankerungslänge definiert als

lb,min=max{0,3α1α4α5(s4fydfbd)10α5s}



Für Druckstäbe gilt

lb,min=max{0,6α1α4α5(s4fydfbd)10α5s}



Am Zwischenauflager gilt in Deutschland vereinfachend

lb,min=6s


Randzugkraft

Zugkraftdeckungslinie

Die Verankerungslänge wird für alle Stabenden bestimmt. Die Position dieser Enden ergibt sich aus der Biegebemessung des Bauteils. Da die Biegebemessung auf vereinfachenden Annahmen beruht, wie der Reduktion des gesamten Bauteils auf seine Achse oder die getrennte Betrachtung von Moment und Querkraft, sind an den Stabenden noch Zugkräfte im Stab vorhanden. Diese Randzugkraft Fsd kann aus der Differenz zwischen der genaueren Bemessung nach dem Fachwerkmodell und der bereits erfolgten Biegebemessung ermittelt werden, dies geschieht im Rahmen der Zugkraftdeckung.


Ermittlung der Randzugkraft mit Querkraft

Die Differenz wird berechnet mit

Fsd=|VEd|aL/z+NEd

Das Versatzmaß aL ist die horizontale Verschiebung von der Zugkraftlinie nach Biegebemessung zur Zugkraftlinie nach Fachwerkmodell. Die Formel lautet

aL=z(cotθcotα)/2 - für Bauteile mit Querkraftbewehrung
aL=d - für Bauteile ohne Querkraftbewehrung

Bei diesem Ansatz spielt die Querkraft eine entscheidende Rolle. Damit ist er anwendbar im Bereich größerer Querkraft, wie in der Nähe einer Einzellast oder Auflagerkraft. Nicht in allen Situationen der Bestimmung der Verankerungslänge ist eine solche, nennenswerte Querkraft vorhanden. Für diese Fälle ist die Randzugkraft nach dem folgenden Ansatz zu ermitteln.


Ermittlung der Randzugkraft durch Verschieben der Momentenlinie

Detail Endauflager

Die Randzugkraft kann auch durch Verschieben beziehungsweise Verlängern der Belastung um das Versatzmaß aL nach außen ermittelt werden. Das nebenstehende Bild zeigt den Rand eines Einzelfundaments. Die Verankerungslänge beginnt am Anfang der Biegung des Stabs, im Abstand x0 vom Rand. Belastet wird das Einzelfundament an dieser Stelle durch den Sohldruck, hier eine von unten drückende Streckenlast. Diese Streckenlast wird nun zur Ermittlung der Randzugkraft um das Versatzmaß aL nach außen verlängert. Das Moment an der Stelle x0 berechnet sich dann als

MEd,x0=pEd(x0+aL)22

Aus dem Moment berechnet sich die Randzugkraft mit

Fsd=MEd,x0z

Ab hier können nach den üblichen Regeln die benötigte Bewehrung As,erf, Stahlspannung σsd und dann die Verankerungslänge lb,rqd berechnet werden.

Zu beachten ist, dass bei diesem Ansatz zur Bestimmung der Verankerungslänge nicht die Ersatzverankerungslänge lb,eq bestimmt werden kann, da für diese eine hinreichende Vorlänge zwischen Beginn der Verankerungslänge und Beginn der Biegung vorhanden sein muss. Stattdessen muss hier der Bemessungswert der Verankerungslänge lbd berechnet werden.

Die Entfernung x0 berechnet sich aus der Geometrie des Bauteils heraus als

x0=Dmin/2+s+cnom

Nachweis-Situationen der Verankerungslänge

Die verschiedenen Situationen der Verankerungslänge unterscheiden sich vor allem in der Ermittlung der erforderlichen Bewehrungsmenge an der jeweiligen Stelle. Darüber hinaus gelten gegebenenfalls besondere Regeln für die Bestimmung von lbd, lb,eq und lb,min.


Verankerung am Endauflager

Am Endauflager wird die zu verankernde Zugkraft maßgeblich durch die einwirkende Querkraft bestimmt. Die Formel zur Berechnung lautet

Fsd=VEdaLz+NEdVEd2

Am Endauflager kann vereinfachend VEd=Auflagerkraft angesetzt werden. Aus der Randzugkraft wird die benötigte Bewehrung berechnet werden als

As,erf=Fsdfyd

Die Verankerungslänge am Endauflager beginnt an der Auflagerkante. Die Verankerung muss mindestens bis zur rechnerischen Auflagerlinie des statischen Systems reichen. Außerdem müssen mindestens 25 % der Feldbewehrung bis ins Auflager geführt und dort verankert werden.


Berechnungsbeispiel zur Verankerung am Endauflager


Verankerung am Zwischenauflager

Die am Zwischenauflager endende Feldbewehrung liegt im Druckbereich. Deshalb ist sie in vielen Fällen rechnerisch nicht nötig, es gilt As,erf=0, gleiches gilt damit auch für σsd und lb,rqd. Aus diesem Grund ist am Zwischenauflager lb,min maßgeblich, die außerdem auf lb,min=6s reduziert wird. Die Verankerungslänge am Zwischenauflager beginnt an der Auflagerkante.


Berechnungsbeispiel zur Verankerung am Zwischenauflager


Verankerung außerhalb von Auflagern

Abseits der Auflager eines Balkens enden Bewehrungsstäbe im Kontext der Zugkraftdeckung. Bei dieser sind erforderliche und vorhandene Bewehrung an der jeweiligen Stelle unmittelbar bekannt. Damit kann die Bestimmung der Verankerungslänge ohne besondere Regeln durchgeführt werden.


Berechnungsbeispiel zur Verankerung außerhalb von Auflagern


Verankerung am Kragarmende

Für die Verankerungslänge am Kragarmende gibt es keine expliziten Berechnungsvorschriften. Sie wird in der Regel in der Literatur nicht nachgewiesen. Die Bewehrung wird in der Regel am Kragarmende abgebogen, bei der Länge des Winkelhakenschenkels gehen verschiedene Programme aber unterschiedlich vor. Eine konkrete Möglichkeit der Berechnung ist der Ansatz über das Verschieben der Momentenlinie.


Berechnungsbeispiel zur Verankerung am Kragarmende


Verankerung am Rand von Einzelfundamenten

Für die Verankerung der Bewehrung am Rand von Einzelfundamenten bietet der EC 2 ein eigenes Berechnungsmodell. Dieses Modell findet in der Praxis kaum Anwendung, da es nur für gerade Stabenden benutzbar ist. Im Allgemeinen wird die Bewehrung am Rand von Einzelfundamenten aber als ein Winkelhaken mit konstruktivem Querstab am Ende ausgebildet. Um für diese Konstruktion die Verankerungslänge zu bestimmen, kann wie beim Kragarmende der Ansatz über das Verschieben der Momentenlinie genutzt werden.


Berechnungsbeispiel zur Verankerung am Rand von Einzelfundamenten


Verankerung an Konsolen

Die Zugkräfte in Konsolen werden generell über eine bis drei Schlaufen aufgenommen. Die Verankerung dieser Zugbewehrung unter der Last in Konsolen gleicht dem Ablauf am Endauflager, da sich die beiden Situationen ähneln. Bei der Bemessung von Konsolen wird die benötigte Bewehrungsmenge unmittelbar an der zu verankernden Stelle bestimmt, damit ist As,erf bekannt. Zu beachten ist, dass die Verankerungslänge an Konsolen an der der Stütze zugewandten Seite beginnt.


Berechnungsbeispiel zur Verankerung an Konsolen

Verankerung am Endauflager[5].

  • Ermitteln der Randzugkraft FEd (Zugkraft am Endauflager)
FEd=VEdalz+NEdVEd2
VEd... Bemessungswert der einwirkenden Querkraft
al... Versatzmaß aus Zugkraftdeckung
z... Hebelarm der inneren Kräfte
NEd... Bemessungswert der einwirkenden Normalkraft
  • Ermitteln, des zur Aufnahme der Randzugkraft erforderlichen Bewehrungsquerschnitt
As,erf=FEdfyd
fyd... Bemessungswert der Stahlstreckgrenze
  • Ermitteln der Stahlspannung
Hierbei ist das Verhältnis aus erforderlicher und vorhandener Bewehrung zu bilden.
σsd=As,erfAs,vorhfyd
As,vorh... Querschnittsfläche der ins Auflager geführten Bewehrungsstäbe
  • Ermitteln der Verankerungslänge
Mithilfe der zuvor bestimmten Stahlspannung lässt sich die Verankerungslänge über die dafür allgemeingültigen Formeln bestimmen.

Verankerung am Zwischenauflager (Untere Bewehrung)[5].

Am Zwischenauflager ist die erforderliche Bewehrung mit mindestens der Länge von 6· dem Bewehrungsdurchmesser hinter den Auflagerrand zu führen.

lb,eq=6s

Verankerung außerhalb von Auflagern[5].

Hiermit sind Bewehrungsstähle gemeint, welche abgestuft sind und nicht bis ins Auflager geführt wurden.

  • Ermittlung der Stahlspannung am rechnerischen Endpunkt E
σsd=As,erfAs,vorhfyd
As,erf... Gesamtquerschnittsfläche der Stäbe, welche nicht Abgestuft wurden/ bzw. weiter durchlaufen
As,vorh... Gesamtquerschnittsfläche aller vorhandenen Stäbe
  • Ermitteln der Verankerungslänge
Mithilfe der zuvor bestimmten Stahlspannung lässt sich die Verankerungslänge über die dafür allgemeingültigen Formeln bestimmen.

Anmerkung: Bei durchlaufender Bewehrung, welche nicht abgestuft wurde (z.B. untere Grundbewehrung), kann es aufgrund der großen Stablänge erforderlich werden, diesen zu stoßen. Die Art und Länge des Übergreifungsstoßes ist ebenfalls nachzuweisen.

An Endauflagern kann es unter Umständen aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse notwendig sein eine gesonderte Verankerungsart zu wählen (z.B. Winkelhaken).


Quellen

  1. Vgl. Avak, Ralf: Stahlbetonbau in Beispielen. DIN 1045. Teil 1, Köln 2007 (5. Auflage), S. 53.
  2. Vgl. Wommelsdorff, Otto; Albert, Andrej; Fischer, Jürgen: Stahlbetonbau. Bemessung und Konstruktion. Teil 1, Köln 2017 (11. Auflage), S. 87.
  3. DIN EN 10080, Stahl für die Bewehrung von Beton - Schweißgeeigneter Betonstahl - Allgemeines, Beuth-Verlag, 2005
  4. 4,0 4,1 DIN EN 1992-1-1, Eurocode 2: Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken - Teil 1-1: Allgemeine Bemessungsregeln und Regeln für den Hochbau, Beuth-Verlag, 2011
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Albert, Andrej (Hg.): Schneider Bautabellen für Ingenieure, Köln 2020 (24. Auflage), S. 5.108.
  6. Vgl. König, Gert; Tue, Nguyen Viet: Grundlagen des Stahlbetonbaus. Einführung in die Bemessung nach DIN 1045-1, Wiesbaden 2003 (2. Auflage), S. 416.


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